Räuber Langkavel
 
 

Meine Mama, die in Fiddichow geboren war, hat mir in meiner Jugend von einem Räuberhauptmann Langkavel
aus der pommerschen Heide, zwischen Garz und Vierraden, wo auch ein großer französischer Kriegsschatz aus
den Freiheitskriegen vergraben liegen soll, erzählt.
Ich stand als Artillerist in Garz a.O. in Garnison, wo wir in Binnenquartieren ? lagen. Hier fiel mir die alte Geschichte
wieder ein, und eines Abends fragte ich den Vater meines Quartierwirtes danach. Seine alte Schwester, die damals
schon  zwischen 80 und 85 Jahren gewesen sein dürfte, erzählte uns darauf folgendes was mit dem übereinstimmte,
was ich früher von meiner Mutter gehört hatte.
     Der Langkavel ist eigentlich ein Förster gewesen. Er hat sich aber dem Bösen verschrieben und trieb heimlich
das Räuberhandwerk. Jede Kugel aus seiner Flinte traf; ihn aber konnte keine Kugel verwunden. Er war heimlich mit
seiner Schwester verheiratet und hat mit ihr zwölf Kinder gehabt. Die Kinder wurden, wenn sie ein Jahr alt waren,
geschlachtet und Langkavel ließ sich das Herz der Kinder als Leckerbissen braten. In seiner Forst kamen keine
Wilddiebereien vor; denn alles fürchtete ihn. Auch mieden Reisende den Weg durch die Heide, da er sie abschoß
und ausplünderte.
Einmal hat er einen Reisenden aufgegriffen, der große Angst für sein Leben hatte. Auf sein Flehen gestand er ihm zu,
wenn er auf eine hohe Fichte am Wege klettern könne, solle er frei sein. Als er aber oben war, schoß er ihn wie eine
Krähe ab. Die Leichen versenkte er in einem Moor.
Schließlich gelang es doch dem Gericht, hinter das Geheimnis der Räubereien in der Heide zu kommen.
Langkavel hatte einen fremden Handwerksburschen gefangen, der vertrauensvoll im Forsthaus Unterkunft des Abends
gesucht hatte. In der Nacht wollte er ihn im Schlafe töten. Die Schwester hatte Mitleid mit dem schönen Jüngling und
riet ihm heimlich, zu fliehen. Dieser verriet dann alles dem Richter in Garz.
Langkavel wurde darauf gefangen genommen und zum Tode am Rad verurteilt. Kurz vor der Hinrichtung wurde er
gefragt, ob er noch einen Wunsch habe. Da sagte er, er möchte seine liebe Schwester noch einmal küssen. Als sie kam,
tat er, als ob er ihr einen Kuß geben wollte. Er biß ihr aber die Nase ab, weil er ahnte, daß sie Schuld an seinem
Verderben sei. Der Henker zwickte ihn dann mit glühenden Zangen. Er blieb aber ganz ruhig und lächelte nur dazu.
Da riet ein altes Weib, man solle ihn unter dem linken Arm zwicken. Da zog der Henker mit der Zange einen
fürchterlichen Wurm heraus, das war der Teufel, der mit einem fürchterlichen Schwefelgestank in die Luft entwich.
Da war es mit seiner Furchtlosigkeit aus und man konnte ihn hinrichten.
Es wird noch erzählt, daß an der anderen Seite der Heide ein zweiter Förster war, der ebenfalls mit dem Teufel im
Bunde stand. Die beiden Förster begrüßten sich jeden Morgen dadurch, daß sie in der Richtung ihrer Wohnstätten
in die Luft schossen. Dann fingen sie gegenseitig die abgeschossenen Kugeln auf, die nie fehlgingen.
Der Geist des Langkavel geht heute noch in der pommerschen Heide um und hat schon manch einen einsamen
Wanderer nachts geängstigt. Einem Kameraden von mir aus Vierraden ist er auch noch in einer Nacht begegnet,
als er ohne Urlaub eines Sonntags von Garz nach seinem Heimatdorf zum Tanz gegangen war.
 
 

Nach Mitteilungen von Schmiedemeister Gäbler, Kl.-M.; aufgezeichnet von Dr. Schulz, Köslin.

(Aus der Kösliner Zeitung - Heimatbeilage; 1926 - Heft 22 )
 


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